Landesverband Bremen e.V.

Bevölkerungsschutz · Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG)

Großeinsatz auf dem Flughafen Bremen: ASB Bremen beteiligt sich an Großübung

Freitag, 22. August 2014 - "Loss of Control" hieß es beim simulierten Start eines Airbus A319 während einer großen Einsatzübung auf der Stratbahn des Fughafens Bremen. Mehr als 150 Passagiere und Betroffene mussten nach dem Absturz der Maschine schnellstmöglich evakuiert, medizinisch versorgt und betreut werden. Eine große Herausforderung für die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der beteiligten Hilfsorganisationen, unter denen auch der ASB Bremen umfangreich vertreten war.

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Einsatzübung auf dem Flughafen Bremen. © Julian Thies

Kommt es im Bundesland Bremen zu einer Großschadenslage wie z.B. einem Flugzeugabstürz, einem Stromausfall in einem Krankenhaus oder einem "Massenanfall an Verletzen" (MANV) so arbeiten die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wie die Feuerwehr und Polizei Bremen Hand in Hand mit den Bremer Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter Unfallhilfe (JUH), Malteser Hilfsdienst (MHD) und Technisches Hilfswerk (THW).

In regelmäßigen Abständen finden in Bremen Großübungen statt, die alle haupt- und ehrenamtlichen Beteiligten auf den Ernstfall, eine Großschadenslage mit vielen (Schwer-)Verletzen vorbereiten sollen. Während solcher Übungen werden vielfältige neue Erkenntnisse und  Informationen für den Ernstfall gewonnen, die für die Führungs- und Einsatzkräfte sehr wichtig sein können. So wird prinzipiell bei jeder Übung die eine oder andere Verbesserung oder Optimierungsmöglichkeit bekannt, die im Ernstfall den Gesamtablauf verbessern können.

Bei der letzten Großübung im November 2013 wurde der Ernstfall nach einem Flugzeugabsturz im Klinkum Bremen-Mitte geübt. In diesem Jahr erwartete die Führungs- und Einsatzkräfte folgendes Szenario:


Übungsszenario:

  • Während der Startphase eines A 319 kommt es kurz nach dem Abheben der Maschine zu einem Vogelschlag („bird‐strike“) im linken Triebwerk (Triebwerk 1) und einem „loss of control“.
  • Es kommt zum Startabbruch („take off abort“). Die Maschine setzt unkontrolliert auf und kommt von der Piste 27 ab, während das linke Triebwerk Feuer fängt.
  • Das Flugzeug kommt in Höhe der Piste 23 zum Stehen.
  • Der Pilot gibt unmittelbar nach Stillstand des Luftfahrzeuges das Kommando „passenger evacuation“.
  • Im Zuge des Ereigniseintrittes werden mindestens 30 Passagiere verletzt und es ist von über 100 verletzten Personen auszugehen.
  • Zusätzlich zu den Verletzten werden mindestens 50 unverletzte Passagiere (= Betroffene) an der Schadensstelle zu erwarten sein, die dort unkoordiniert umherirren.
  • Innerhalb des Flughafens warten Angehörige, Bekannte und Freunde als sogenannte Abholer auf die Passagiere.

Übungsziele:

  • Zusammenwirken zwischen Flughafenfeuerwehr und Kräften der Feuerwehr Bremen bei der Technischen Gefahrenabwehr (Brandbekämpfung und Menschenrettung nach Flugunfall)
  • Zusammenarbeit mit den beteiligten Hilfsorganisationen 
  • Durchführen von rettungsdienstlichen Maßnahmen zur Bewältigung eines Schadensereignisses mit 30 Verletzten
  • Schnelle Feststellung der rettungsdienstlichen Einsatzlage / Durchführung von Maßnahmen zur Raumordnung
  • Schnelle Sicherstellung einer bedarfsorientierten notfallmedizinischen Versorgung
  • Als prioritäre Übungsziele sind eine schnelle Sichtung und ein zügiger Patientenabtransport zu verfolgen !

Mehr als 380 Einsatzkräfte, Darsteller/innen, Einsatzleiter/innen, Mitarbeiter/innen des Airport Bremen sowie Vertreter/innen von Behörden haben an der Übung teilgenommen. Die Übung verlief in einem Zeitraum von mehr als fünf Stunden.

Malte Goltz, Landeskatastrophenschutzbeauftragter des ASB Bremen blickt positiv auf den Verlauf der Übung zurück: "Die Vorbereitung auf den Ernstfall ist eine wichtige Grundlage für die haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich in den Bremer Katastrophenschutz einbringen. Der ASB Bremen ist seit jeher in diesem wichtigen Bereich aktiv und hat sich mit acht Einsatzfahrzeugen und mehr als 20 freiwilligen Helferinnen und Helfern in das Übungsgeschehen eingebracht."


Zu den Schnell-Einsatz-Gruppen des ASB Bremen: Jeder kennt die Bilder der jüngsten Vergangenheit aus dem Fernsehen oder der Zeitung: Massenkarambolagen auf der Autobahn, Zugunglücke, Brände in überfüllten Diskotheken, Flugzeugabstürze oder ähnliches. Plötzlich muss eine Vielzahl von Verletzten medizinisch versorgt und ins Krankenhaus gebracht werden; andere Opfer müssen noch aus Wracks oder Trümmern befreit werden.

In solchen Situationen, die im Fachjargon „Großschadensfall“ oder „MANV (Massenanfall von Verletzen)“ genannt werden, stößt auch der normale Rettungsdienst, dessen Personal- und Fahrzeugausstattung ja nur auf das „alltägliche Normalgeschäft“ der Stadt oder Region zugeschnitten ist, schnell an seine Grenzen.

Um den beteiligten Bürgern in solchen Fällen trotzdem schnelle und vor allem wirkungsvolle Hilfe zukommen lassen zu können, sah sich auch der Arbeiter-Samariter-Bund als Hilfsorganisation in die Pflicht genommen, und hat so genannte „Schnell-Einsatz-Gruppen“ (SEGen) in ganz Deutschland gebildet. Hierbei handelt es sich um Gruppen mit rein ehrenamtlichen, rettungsdienstlich ausgebildeten Helferinnen und Helfern (z.B. Rettungssanitäter), die mittels Funkmeldeempfängern, sog. „Piepsern“, jederzeit von der Rettungsleitstelle alarmiert werden können, um „im Falle eines Falles“ sofort eingreifen und optimal helfen zu können. Eine Schnell-Einsatz-Gruppe ist auf gar keinen Fall eine Konkurrenz zu vorhandenen Rettungsdienststrukturen, sondern eine notwendige Entlastung und Ergänzung.

Julian Thies 22-AUG-2014
 

Ihr Ansprechpartner für dieses Thema

Malte Goltz

Geschäftsführer
Landeskatastrophenschtzbeauftragter

Arbeiter-Samariter-Bund
Rettungsdienst Bremen GmbH
Hemelinger Hafendamm 22, 28309 Bremen

Telefon: 421 69 66 69 70 , Telefax: 421 69 66 69 80
E-Mail: mgo(at)asb-bremen.de

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