Landesverband Bremen e.V.

Hilfen für Menschen mit Behinderung

Fachtag Persönliche Zukunftsplanung im Bremer Lidice-Haus

Das Bremer Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung hat in Kooperation mit der Agentur 53° Nord am 08. September im Lidice-Haus der Jugendbildungsstätte Bremen den Fachtag „Meine Zukunft beginnt jetzt“ veranstaltet.

Die Moderatorinnen Nicole Papendorff, Birgit Kmiecinski und Sylvia Kuttruf im Workshop „Mein Sozialraum“. © Jochen Schlüter

Wie will ich wohnen? Wie will ich meine persönlichen Kontakte gestalten? Welche Arbeit strebe ich an? Fragen wie diese stellt sich jeder im Leben. Nicht selten sind sie auch verknüpft mit persönlichen Krisen. Eine Hilfe kann da die Methode der “Persönlichen Zukunftsplanung“ sein. Sie kommt aus der Selbsthilfebewegung der Menschen mit Behinderung in den USA.

Inzwischen gibt es auch in Deutschland ein Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung und in Bremen einen lokalen Zusammenschluss. Das Bremer Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung hat in Kooperation mit der Agentur 53° Nord am 08. September im Lidice-Haus der Jugendbildungsstätte Bremen den Fachtag „Meine Zukunft beginnt jetzt“ veranstaltet.

Sylvia Kuttruf arbeitet als Erzieherin in der Tagesförderstätte des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Bremen Osterholz und hat einer Weiterbildung zur Moderatorin von persönlichen Zukunftsplanungen teilgenommen. Auf dem Fachtag hat sie mit ihren Kolleginnen Birgit Kmiecinski und Nicole Papendorf zwei Workshops angeboten. „ In einem Workshop haben wir uns mit dem Sozialraum, in dem wir leben, beschäftigt in einem zweiten ging es um Träume und warum sie für die Planung von Zukunftszielen so wichtig sind.“, sagt Sylvia Kuttruf. „Jeder Teilnehmer hat eine Traumwolke gestaltet und mit dieser kreativen Methode ein Element der Persönlichen Zukunftsplanung kennengelernt.“ Die Teilnehmer dieses inklusiven Workshops habe sie als sehr offen und interessiert erlebt. Die Gruppe setzte sich zur Hälfte aus Menschen mit Behinderungen und zur Hälfte aus professionellen Unterstützern zusammen. „Wir haben im Bremer Netzwerk gedacht, dass es eine gute Idee sein könnte, die Methode der Persönlichen Zukunftsplanung durch einen Fachtag bekannter zu machen. Und ich glaube, das ist uns auch gelungen.“, beurteilt sie den Erfolg der Veranstaltung, die mit etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland sehr gut besucht war.

Das Bremer Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung (PZP) wurde 2014 gegründet. Die Mitglieder moderieren und begleiten Zukunftsplanungen. An dem Netzwerk sind folgende Träger beteiligt: Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Bremen, Diakonische Stiftung Friedehorst, Elbe-Weser Werkstätten Bremerhaven, Lebenshilfe Bremen und der Martinsclub Bremen.

„Bei der Persönlichen Zukunftsplanung steht ganz klar die Person im Mittelpunkt, die über ihre Zukunft nachdenken möchte.“, erläutert Carolin Emrich, erfahrene Moderatorin und Sprecherin des Netzwerkes. „Die planende Person bestimmt, wohin es gehen soll, welche Ziele wichtig sind, nicht Fachleute, Institutionen oder Eltern.“ Themen können die persönliche Situation, die Wohnsituation, Arbeitsmöglichkeiten und vieles andere sein. Die Moderatorinnen begleiten mit ihrem methodischen Handwerkszeug diesen Prozess. Eine wichtige Grundhaltung dabei ist, die planende Person in ihren Wünschen, Bedürfnissen und Stärken ernst zu nehmen. „ Wir geben die notwendige Unterstützung, selbst über das Leben zu bestimmen, mehr Lebensqualität zu gewinnen, neue Rollen auszuprobieren.“ Das Ziel der PZP sei es, Handlungen in Gang zu setzen, die das Leben für Menschen mit Behinderung und Angehörige verbessern. Darüber hinaus seien auch andere Zielgruppen denkbar.

Wichtige Methoden sind immer wieder Bilder oder Wandzeitungen, die gemeinsam gestaltet werden, und in denen die Ergebnisse einer persönlichen Lagebesprechung festgehalten werden. In diesem Zusammenhang wird auch oft mit Unterstützerkreisen gearbeitet. Sie werden von der planenden Person aus verschiedenen Lebenskreisen ausgewählt. Es können Familienangehörige, Freunde, Arbeitskollegen oder unterstützende Fachkräfte sein.

Im Rahmen des Fachtags kamen auch immer wieder Nutzer zu Wort, die von ihren Erfahrungen mit der Methode berichteten. Dabei ging es um sehr große Ziele wie den Wechsel aus der Werkstatt für behinderte Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt oder auch um einfachere Wünsche wie der nach einer neuen Brille „zum Weitgucken und Fernsehen“. Alle Nutzer berichteten sehr positiv von den eingetretenen Veränderungen, auch wenn sich die ursprünglich formulierten Ziele in der Realität nicht immer zu 100% umsetzten ließen. Auf die Frage ob Menschen mit Unterstützungsbedarf nach Teilnahme an dem Planungsprozess Experten in eigener Sache seien, sagte eine Teilnehmerin: „Als Expertin fühlen kann ich mich nicht, aber ich lerne immer dazu. Ich kann sagen, dass ich vieles anders gemacht habe.“

Weitere Informationen erteilt Sylvia Kuttruf, Tagesförderstätte für Menschen mit Behinderungen ASB, Tel.: 0421 98 97 04 54

Jochen Schlüter 14-SEP-2016
 

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Jürgen Lehmann

Geschäftsführer

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